Lena Yokoyama

Zwischen den Welten – und mitten im Gefühl: Die Illustratorin Lena Yokoyama

Es gibt Illustrationen, die man anschaut – und solche, die man spürt.
Die Arbeiten von Lena Yokoyama gehören ganz klar zur zweiten Kategorie.

Die japanisch-österreichische Illustratorin, die heute in London lebt, bewegt sich mit ihren Bildern genau dort, wo Worte an ihre Grenzen stoßen. Und vielleicht ist genau das ihr größtes Talent: sichtbar zu machen, was sich nicht so einfach sagen lässt.

Wir von ILLUS freuen uns, dass wir die international erfolgreiche Künstlerin mit Vorarlberger Wurzeln für uns gewinnen konnten.

Illustration als Sprache zwischen den Sprachen

Aufgewachsen zwischen Kulturen, geprägt von Sprache, Übersetzung und Perspektivwechsel, hat Lena früh verstanden, dass Kommunikation nicht immer in Worten funktioniert.

Ihre Antwort darauf: Illustration als universelle Sprache.

In ihrem fortlaufenden Projekt Visual Translations geht sie dieser Idee konsequent nach. Gemeinsam mit ihrem Vater – einem Übersetzer – widmet sie sich Wörtern, die sich nicht eins zu eins übertragen lassen. Begriffe, die tief in einer Kultur verwurzelt sind. Gefühle, die sich zwischen den Zeilen verstecken.

Lena übersetzt sie – nicht in eine andere Sprache, sondern in Bilder.

Dabei entstehen Arbeiten, die wie visuelle Gedankengänge wirken: vielschichtig, poetisch, offen für Interpretation. Es ist ein Prozess, der eher an ein leises Gespräch erinnert als an eine klare Aussage.

Wackelige Linien, starke Haltung

Was ihre Arbeiten sofort erkennbar macht, ist ihre Handschrift: lebendige Linien, mutige Kompositionen und ein feines Gespür für Farbe und Textur.

Lena arbeitet oft mit Tinte auf Papier, kombiniert analoge Techniken mit digitalen Prozessen und denkt ihre Illustrationen in Schichten.

Gerade diese Begrenzung wird bei ihr zur Stärke:
Überlagerungen, Körnung und kleine Unregelmäßigkeiten verleihen ihren Arbeiten eine besondere Tiefe und Wärme.

Oder, wie sie selbst es verkörpert: Perfektion ist nicht das Ziel.

Schönheit im Unvollkommenen

Ein zentraler Gedanke in Lenas Arbeit ist die japanische Philosophie des Wabi-Sabi – die Idee, Schönheit im Unvollständigen, Vergänglichen und Unperfekten zu erkennen.

Und genau das spürt man in ihren Illustrationen.

Sie sind nicht glatt.
Nicht perfekt.
Und genau deshalb so nahbar.

Lena versteht diese Haltung nicht nur als ästhetisches Prinzip, sondern als Einladung:
Unvollkommenheit anzunehmen – im Bild und im Leben.

Denn wenn wir aufhören, perfekt sein zu müssen, entsteht Raum. Für Ausdruck. Für Persönlichkeit. Für echte Verbindung.

Vom Wort zur Bewegung – und darüber hinaus

Was Lenas Arbeit zusätzlich auszeichnet, ist ihre Offenheit, sich immer wieder neu zu erfinden.

Während sie sich lange mit Sprache und Übersetzung beschäftigte, erweitert sie ihr Verständnis von Illustration heute konsequent:
Sie zeichnet Bewegung. Tanz. Klang.

In einer Künstlerresidenz in Mexiko begann sie, Tänzer zu beobachten und Bewegung in Linien zu übersetzen. Aktuell arbeitet sie sogar daran, Musik visuell erfahrbar zu machen.

Illustration wird bei ihr zum Medium, das weit über das Visuelle hinausgeht.

Zeichnen als Beobachten – und Verstehen

Ob in Marseille, Mexiko oder London – Lena zeichnet, um zu verstehen.

Ihre Skizzenbücher sind wie visuelle Tagebücher:
Momentaufnahmen von Orten, Menschen und Atmosphären.

Beim Zeichnen, sagt sie, beginnt sie wirklich hinzusehen.
Details wahrzunehmen.
Das Wesentliche eines Moments einzufangen.

Diese Beobachtung fließt zurück in ihre Auftragsarbeiten – und macht sie so lebendig.

Teil einer starken Community

Neben ihrer individuellen Handschrift ist Lena auch Teil einer lebendigen, internationalen Illustrationsszene. Sie arbeitet für renommierte Auftraggeber wie The GuardianThe New York Times oder kulturelle Institutionen – und bleibt dabei immer nah an ihrer eigenen künstlerischen Stimme.

Was sie dabei besonders betont: die Bedeutung von Community.
Austausch, gegenseitige Inspiration und das gemeinsame Weiterdenken von Illustration.

Gerade in Zeiten von KI und digitalen Umbrüchen wird für sie eines klar:
Die menschliche Handschrift – mit all ihren kleinen Unregelmäßigkeiten – ist unersetzlich.

Wir bei ILLUS sagen: Willkommen, Lena!

Umso mehr freut es uns, dass wir Lena Yokoyama für ILLUS gewinnen konnten.

Ihre Arbeit steht für genau das, was Illustration für uns bedeutet:
Neugier. Offenheit. Haltung. Und die Fähigkeit, Menschen zu berühren.

Sie bringt nicht nur ein außergewöhnliches künstlerisches Niveau mit, sondern auch eine Perspektive, die unsere Community bereichert.

Wir freuen uns sehr auf alles, was kommt. 

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